(Main - Echo, Dienstag 23. Juni 2009)

Rhythmus am lauen Sommerabend

Museumshof: Das Duo Agua y Vino brachte spanisches Flair nach Miltenberg - Gesang, Tanz und Gitarre als Einheit

Miltenberg. Gesang, HŠndeklatschen, Tanz und Gitarrenbegleitung Ð Flamenco in Reinkultur haben am Samstagabend zwei deutsche KŸnstler mit einer AuthentizitŠt geboten, die man sonst nur Spaniern zutraut: Sie verwandelten den Museumshof in Miltenberg in einen andalusischen Festplatz.    Schnell gaben die Zuhšrer ihre nordeuropŠische ZurŸckhaltung auf und lie§en sich vom sŸdlichen Temperament anstecken. Den Abend mit dem Duo Agua y Vino (Barbara Hennerfeind und Erik Weisenberger) hatte Birgit Funk veranstaltet.

Ausdrucksvoll und facettenreich. Es war viel mehr Wein als Wasser, was Hennerfeind hat mit ihrer ausdrucksvollen und facettenreichen Stimme bot, mit einem RhythmusgefŸhl, das ihr im Blut zu liegen scheint, und mit ihrer perfekten Beherrschung von Gitarre und Kastagnetten, denen sie ein verblŸffendes Spektrum von Klangfarben entlockte.

Der Flamencogitarrist Erik Weisenberger bildet die ideale ErgŠnzung mit seinem Spiel, das ohne sichtbare Anstrengung alle Tempo- und Dynamikwechsel mitging und mit einem eindrucksvollen Klangteppich die Basis fŸr die beeindruckende Performance von Barbara Hennerfeind legte. Sie tanzte mit viel Eleganz, mitrei§endem Temperament und eindrucksvoller PrŠzision auf den Holzpodien  Ð mal im hellen Flamencokleid mit den typischen RŸschen, mal im streng-eleganten Hosenanzug.

Mit der Rumba ãEl PayoÒ begann das Programm, das Schauspieler Peter Hub, TextvortrŠgen abrundete. Denn spanische Kultur besteht natŸrlich nicht nur aus Musik und Tanz, die Literatur gehšrt unabdingbar dazu. Von der spannenden ErzŠhlung ãRoyal Rojin und der Tod auf der WildschweinjagdÒ bis hin zu Gedichten aus Federico Garcia Lorcas ãRomancero GitanoÒ Ð es waren Texte, die AnflŸge von Pathos genau so enthielten wie selbstironische und witzige EinschŸbe, Texte, die Hub ohne †bertreibung und mit natŸrlicher Ausdruckskraft facettenreich interpretierte und dabei ohne Mikrophon den Museumshof fŸllte.

Ob sich in ãAnda JaleoÒ, einem Jagdlied, Lorcas Zerrissenheit in Worten und Tšnen spiegelt, ob in ãHijo de la lunaÒ eine Zigeunerin ihre Kinderlosigkeit beweint, ob Hennerfeind und Weisenberger in ãSuspiro del MoroÒ mit dem ãSeufzer des MaurenÒ an das Ende der maurischen Herrschaft in Spanien erinnerten: Es war ein rundum gelungener lauer Sommerabend, der tatsŠchlich Spanien in das Schnatterloch zauberte.

Text und Fotos: Dr.Heinz Linduschka